Wie verhalten Sie sich im Brandfall richtig?

Die Statistiken der Feuerwehr sagen aus, dass es in Deutschland pro Jahr zu beinahe 200.000 Bränden kommt. Jeder Dritte davon verursacht Schäden, die 500.000 Euro übersteigen. Sind die Sachschäden schon schlimm genug, ist es um so erschütternder, dass es bei Bränden auch immer wieder Tote und Verletzte zu beklagen gibt.

Beispiele aus Deutschland sind unter anderem der Brand in einer Behindertenwerkstatt der Caritas in Titisee/Neustadt im Jahr 2012. Damals gab es 14 Tote und 8 Verletzte. Im Juni 2014 zerstörte ein Großfeuer die historische Kirche St. Martha in Nürnberg in der Altstadt. Im Dezember 2019 brach ein verheerendes Feuer in einem Krefelder Zoo aus, wodurch viele seltene Tiere starben.  International gab es bei Brandkatastrophen mitunter Hunderte Tote.

Ein Brand kann beinahe überall und jederzeit ausbrechen. Im Ernstfall kann richtiges Verhalten Leben retten.

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

Dieser Spruch aus der Kaiserzeit ist noch heute aktuell, zumindest bei Bränden und anderen Notfällen. Völlig falsch wäre es zum Beispiel, wenn Sie in Panik verfallen und in wilder Flucht davon rennen würden. Weder wird ein Alarm ausgelöst noch andere Personen im Gebäude gewarnt.

Nehmen Sie sich Zeit und schätzen Sie die Situation kurz ein. In den meisten Fällen bleibt Ihnen noch genügend Zeit zum Handeln. Bei diesen Handlungen müssen Sie Prioritäten setzen.

Andere auf die Gefahr aufmerksam machen

Alarmieren Sie alle Personen, die sich im Gebäude aufhalten, darüber dass ein Brand ausgebrochen ist. In kleinen Firmen können Sie das persönlich tun, in größeren Unternehmen stehen dafür Brandmeldeanlagen zur Verfügung, die einen internen Alarm auslösen. Je nach System müssen einige davon manuell über einen Druckknopfmelder aktiviert werden (Scheibe einschlagen, Knopf drücken). In großen Firmen gibt es auch interne Notrufnummern, mit denen Sie beispielsweise die Werkfeuerwehr alarmieren können.

Die Feuerwehr verständigen

Geben Sie der Feuerwehr so viel Informationen wie möglich. Dazu gehören auf jeden Fall die exakte Lage des Brandherds, was brennt, wie stark es brennt und ob und wie viele Personen sich im Gebäude aufhalten. Benutzen Sie am besten Ihr Handy für den Anruf. Dadurch sind Sie mobil und können mit der Feuerwehr ständig in Kontakt bleiben. Die Notrufnummer 112 ist kostenlos und funktioniert sogar ohne SIM Karte. Legen Sie nicht auf, sondern bleiben Sie für Rückfragen am Telefon. Nehmen Sie die Feuerwehr in Empfang und weisen Sie die Einsatzkräfte ein. Sie können auch jemanden mit dieser Aufgabe beauftragen. Eine korrekte Einweisung spart wertvolle Zeit.

Das Gebäude geordnet räumen

Die Evakuierung der Menschen hat Vorrang vor der Brandbekämpfung. Ab einer bestimmten Anzahl von Beschäftigten gibt es dafür Brandschutz und  Evakuierungshelfer, die jeweils die Verantwortung für ein ihnen persönlich bekanntes Team tragen. Die Evakuierung muss zügig, aber nicht als kopflose Flucht erfolgen. Falls erforderlich, sollen die Leute sich gegenseitig helfen. Zu einer geordneten Räumung gehört auch, dass jeder die Geräte an seinem Arbeitsplatz abschaltet. Vorausgesetzt es ist nicht gefährlich machen Sie vor dem Verlassen des Gebäudes einen Rundgang. Sehen Sie nach, ob niemand zurückgeblieben ist. Das ist in großen verwinkelten Gebäuden oder Einrichtungen mit Besucherverkehr besonders wichtig. Bei der Kontrolle dürfen Sie nicht vergessen, in den Toiletten, Aufenthalts- und Ruheräumen, der Kaffeeküche, dem Lager oder Archiv nachzusehen. Schließen Sie alle Fenster und Türen, damit die Flammen nicht noch zusätzlich mit Sauerstoff versorgt werden. Damit sich Rauch nicht verbreiten kann, unbedingt Lüftungs- und Klimaanlagen abschalten!

Brandbekämpfung

Nicht umsonst kommt dieser Teil der Handlungen beim Ausbruch eines Brandes an letzter Stelle. Von einem Brand gehen beträchtliche Gefahren aus, die von Laien nicht eingeschätzt werden können. Deshalb sollten Sie einen Brand nur bekämpfen, wenn Sie sicher sind, dass für Sie oder andere keine Gefahr besteht. Am meisten wird von Laien die Gefährlichkeit des Rauchs unterschätzt. Schon ein paar Atemzüge genügen für eine Rauchvergiftung, die zum Tod führen kann. Bei Brandkatastrophen sterben die meisten Opfer nicht durch Verbrennen, sondern durch Rauchvergiftung. Beim Brand von Plastik, Gummi oder anderen Stoffen werden zudem noch zusätzlich Giftgase freigesetzt. In solchen Fällen ist es besser,nur Entstehungsbrände zu bekämpfen. Bei großen Bränden  sollten Sie auf Löschversuche komplett zu verzichten. Sachschäden können durch die Versicherung ersetzt werden, Menschenleben nicht.

Was tun in Extremsituationen?

Wenn Sie in einem Raum oder der Wohnung eingeschlossen sind, weil es beispielsweise im Treppenhaus brennt, schließen Sie die Tür (aber nicht abschließen) und versuchen Sie, das Eindringen von Rauch zu minimieren. Dazu können Sie nasse Tücher oder nasses in die Fugen stopfen. Machen Sie die Feuerwehr darauf aufmerksam, wo Sie sich befinden. Öffnen Sie dazu das Fenster, rufen und winken Sie. Notfalls können Sie auch das Fenster einschlagen. Dafür benutzen Sie aber immer Hilfsmittel. Achten Sie darauf, sich nicht an den Scherben zu verletzten. Sollte doch Rauch in den Raum eindringen, legen Sie sich auf den Boden. Rauchgase sind heiß und steigen nach oben. Direkt über dem Boden ist die Luft am kühlsten und saubersten. Folgen Sie den Anweisungen der Feuerwehr.

Den Ernstfall üben

Die gesetzlichen Vorschriften besagen, dass in den meisten Unternehmen und Einrichtungen Brandschutzkonzepte ausgearbeitet und Brandschutzordnungen ausgehängt werden müssen. Im Ernstfall nützt das aber wenig, wenn alle kopflos durcheinander rennen. Der Notfall sollte deshalb regelmäßig geübt werden. Dann laufen die Handlungen bei einem Brand sozusagen automatisch, ohne Nachdenken ab. Das spart Zeit und verhindert das Entstehen einer Panik. Die Beschäftigen müssen zudem die Gelegenheit bekommen, die diversen Brandbekämpfungsmittel wie Feuerlöscher oder Schläuche und Hydranten zu betätigen. Dadurch werden sie mit ihnen vertraut und wissen, wie sie funktionieren. Zudem muss die technische bzw. physische Beschaffenheit der Brandschutzmaßnahmen regelmäßig kontrolliert werden. Löschmittel müssen funktionieren, Fluchtwege dürfen nicht verstellt, Brandschutztüren nicht blockiert sein. Fluchtwege müssen ausgeschildert sein und die Sicherheitsbeleuchtung muss funktionieren.

Besonnen handeln rettet Leben

Im Fall eines Brandes sind die ersten Minuten entscheidend für den weiteren Verlauf. Sie sollten zuerst alle Personen warnen und zur Selbstrettung auffordern. Danach die Feuerwehr alarmieren und eine planmäßige Räumung des Gebäudes veranlassen. Die Brandbekämpfung kommt an letzter Stelle, weil sie gefährlich ist. Damit sollten Sie sich nur beschäftigen, wenn Sie sich und andere nicht gefährden. Neben der Schaffung der technischen Voraussetzungen ist Brandschutz nur erfolgreich, wenn regelmäßig Übungen abgehalten werden. Alle Beteiligten wissen dadurch, wie sie sich im Ernstfall verhalten müssen und es kommt keine Panik auf. Wir beraten Sie gern in allen Aspekten des Brandschutzes.

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